Viel Applaus für inklusives Theaterprojekt der BBS und Lebenshilfe Walsrode

Eine Fahrkarte statt einer Eintrittskarte und eine Baustelle als Bühne - mehr bedurfte es nicht, um sich vom Forum der BBS auf die Walsroder Bahnhofsbaustelle versetzt zu fühlen. 2014-04-03 theater1

Aber natürlich lag es hauptsächlich an den Darstellern, die die Zuschauer, pardon, Fahrgäste mit auf die Reise nahmen. Am Dienstag feierten 30 Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schulen und der Lebenshilfe mit dem inklusiven Stück „Ich versteh' nur Bahnhof!" erfolgreich Premiere.

„Benötigen Sie Kopfhörer oder eine Zeitung?" „Ihre Fahrkarte bitte!" Die Zuschauer im vollbesetzten BBS-Foyer werden direkt angesprochen. Eigentlich könnte die Fahrt gleich los gehen, wäre da nur nicht das Problem, dass der Bahnhof eine einzige Baustelle ist und auch die Gleise noch fehlen.

Am Ende wird eine Party gefeiert!

Doch dafür gibt es fähige Assistenten, die mal eben Bahnschienen verlegen, denn es wird eine wichtige Persönlichkeit erwartet. Die Reisenden, eine bunt gemischte Gruppe mit Schlachtenbummlern, Musikern und Touristen, stehen an den Schaltern Schlange, um von den Bahnbeamten mehr zu erfahren. Doch wie in Deutschland üblich, werden sie von einem Schalter zum nächsten geschickt.

„Haste mal 'nen Euro?" Unversehens wird ein Fahrgast von einem Bettler von der Seite angequatscht. Kurze Zeit später gibt es Tumult wegen eines herrenlosen Koffers. „Könnte auch eine Bombe sein." Die Toiletten sind nicht benutzbar, es gibt keine Sitzbänke und dennoch finden alle: „Unser Bahnhof ist spitze." Diesen Slogan rappen sie nach der Melodie „Eine Insel mit zwei Bergen", während um sie herum der Reinigungstrupp rhythmisch die Besen schwingt.

Am Bahnhof trifft der vermeintliche Rockstar, den aber keiner kennt, auf Fußballfans. Bremen- und Dortmund-Fans sitzen Seite an Seite. „Ob das gut geht?", bezweifelt die Reporterin, die die Fahrgäste interviewt. „Klar, wir fahren gemeinsam." Gemeinsam: Diese Aussage ist gewollt doppelsinnig - das Theaterstück ist ein wunderbares Beispiel von gelingender Inklusion. Menschen mit und ohne Handicap haben es über Monate mit viel Humor und Enthusiasmus einstudiert - und feiern zum Schluss eine große Fete.

Von wegen „Ich versteh' nur Bahnhof!" Die Botschaft der Inklusion - der Weg ist das Ziel - kommt an. So wird mit Applaus und Lob für Darsteller, Lehrer, Betreuer und Bewohner der Lebenshilfe-Wohn-stätte Am Dornbusch nicht gespart. BBS-Schulleiter Andre Kwiatkowski und Lehrerin Dagmar Zirfas-Steinacker danken allen Teilnehmern, insbesondere den professionellen Metronom-Schauspielern Karin Schroeder und Andreas Goehrt, die bei einem Wochenend-Workshop mit am Stück gefeilt haben und sich die Premiere nicht entgehen lassen.

Abschließend ein Resümee: Das Theaterprojekt sei von allen so positiv aufgenommen worden, dass das darstellende Spiel auf alle Fälle weitergeführt werden soll, stellt Dagmar Zirfas-Steinacker klar. Die Zuschauer freuen sich bereits auf weitere gelungene Darbietungen dieser Art.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 03.04.2014

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