Großangelegte Typisierungsaktion für die DKMS

1991 gab es in Deutschland nur 3000 registrierte Stammzellenspender - mittlerweile sind es 4,5 Millionen. Und seit gestern sind es noch einmal einige mehr. 900 Schüler haben sich an der großen Typisierungsaktion an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Walsrode, organisiert von den Heilerziehungspflegeklassen I und II, beteiligt.2014-07-23 typisierung1

Viele von ihnen gaben im Anschluss an Vorträge zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), über Stammzellen, Typisierung und Blutkrebs Wangenschleimhautabstriche ab und ließen sich registrieren. Nun heißt es für sie warten.
Denn nur etwa fünf von 100 Menschen -und einer von 100 jungen Menschen - erhalten in den zehn Jahren nach der Registrierung überhaupt Post von der DKMS, in der steht, dass sie als Spender infrage kommen könnten. Was passiert danach? Antworten auf diese Frage gaben Kirsten Helmke aus Kroge und Tim Busse aus Dorfmark. Sie sind durch ihre Stammzellenspende zu Lebensrettern geworden.

 

Wann und wo er sich hat typisieren lassen, weiß Busse schon gar nicht mehr. „Aber es muss etwa vor 15 Jahren gewesen sein.“ Eine gefühlte Ewigkeit habe er dann von der DKMS nichts mehr gehört, höchstens Newsletter bekommen. Bis zum Mai 2012. „Da habe ich einen Brief erhalten mit der Bitte, eine Blut-Detailuntersuchung vornehmen zu lassen, weil ich als Spender infrage komme“, erinnert sich der 35-Jährige. Zwei Wochen später waren die Blutergebnisse da. Alles passte. „Ich bin dann zigmal gefragt worden, ob ich wirklich zur Spende bereit bin. Aber warum hätte ich einen Rückzieher machen sollen?“, fragt der Dorfmarker. So fuhr er in eine Kölner Klinik, die einen Vertrag mit der DKMS geschlossen hat, und ließ sich zwei Wochen vor dem Eingriff zunächst einmal komplett „auf Herz und Nieren“ untersuchen. „Das war für mich selbst sehr wertvoll: zu wissen, dass ich fit bin.“

2014-07-23 typisierung2In Begleitung seiner Mutter, die Arzthelferin ist, ging es am 17. Juli 2012 erneut in die Klinik. Ohne zu wissen, wem er seine Stammzellen spenden würde - die Daten bleiben für zwei Jahre anonym, ehe bei Interesse eine Kontaktaufnahme erfolgen kann -, ließ er sich auf den Eingriff ein. „Zur Vorbereitung musste ich Hormone nehmen, die dafür sorgen, dass die Stammzellen aus dem Knochenmark ausgespült werden“, sagt er. Die Folge seien kurzfristig grippeähnliche Symptome in Form von Gliederschmerzen gewesen. „Das war ein ganz kleines Opfer“, sagt er heute. Nach der Entnahme einer bestimmten Menge Stammzellen aus seinem Blut und auch aus seinem Knochenmark (nicht Rückenmark) war die Spende für ihn beendet. Bei vielen Spendern erfolgt die Entnahme unter Vollnarkose aus dem Knochenmark am Beckenkamm - nicht so bei Tim Busse. „Nachmittags war ich in Köln schon wieder einkaufen“, sagt er. Der Eingriff sei vergleichbar mit der Blutabnahme gewesen. Die Stammzellen regenerieren sich übrigens innerhalb weniger Wochen im Körper.

Vor einigen Wochen hat Tim Busse Post bekommen. Geschrieben hat ihm eine 48-jährige US-Amerikanerin. Sie verdankt dem Dorfmarker ihr Leben. „Es geht ihr wohl so weit gut. Sie ist zwar immer noch anfällig für Infekte, aber sie lebt“, sagt Tim Busse. Der 35jährige Lebensretter möchte nun auch Kontakt zu ihr aufnehmen. Und durch Besuche - wie am Dienstag in den BBS - möglichst viele Menschen dazu animieren, sich in der Spenderdatei registrieren zu lassen.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 23.07.2014

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