Millionenschwerer Investitionsbedarf an kreiseigenen Schulen

Grundsätzlich werden Energiegutachten in Auftrag gegeben, um in Gebäuden Energie und damit auch Kosten einzusparen. Das war auch das Ziel, als für die Berufsbildenden Schulen Walsrode mit europäischen Fördermitteln ein solches Gutachten erstellt wurde. Das Ergebnis hat alle Erwartungen übertroffen und sorgt dafür, dass beim Heidekreis sehr viel Energie und auch Geld freigesetzt werden müssen. Landrat Manfred Ostermann bestätigte im WZ-Gespräch, dass für notwendige Sanierungsmaßnahmen Ausgaben von rund 13 Millionen Euro hochgerechnet worden sind. Doch damit nicht genug. Auch an anderen Schulgebäuden besteht akuter Handlungsbedarf. Die Diskussion um Investitionen, die über 50 Millionen Euro liegen dürften, wird auch die Grundsatzdiskussion um die Zukunft von Schulstandorten auslösen. Angesichts rückläufiger Schülerzahlen stehen die Kreistagspolitiker vor der Frage, ob sie in Gebäude investieren wollen, die in absehbarer Zeit leer stehen.im Visier: Auch der Flachdachbereich des Hauptgebäudes weist großen Sanierungsbedarf auf.

Willem Wächter, bis zum Eintritt in den Ruhestand Ende März für das Gebäudemanagement beim Heidekreis zuständig, hatte vor etwa zwei Jahren in einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses für atemloses Schweigen gesorgt. Eine Auflistung der Sanierungsmaßnahmen an landkreiseigenen Gebäuden hatte einen hohen zweistelligen Millionenbedarf aufgewiesen. Jetzt wird es noch dicker kommen. Landrat Ostermann gab im WZ-Gespräch zu, dass man in der Kreisverwaltung nicht mit dem begründeten Sanierungsbedarf gerechnet habe, den der Leiter der Berufsbildenden Schulen Walsrode, Andre Kwiatkowski, für die größten Teile der Schule beantragt habe.
Dach, Lüftung, Energie, Fassade, Brandschutz sind die Stichworte. „Das sind alles Dinge, die wir ernst nehmen müssen. Da gehen jeden Tag junge Menschen ein und aus. Da sind wir verantwortlich, dass nichts passiert“, betont der Landrat. Daneben gehe es auch um die Ausstattung mit Maschinen und Computern. „Wir bilden hier junge Menschen an Maschinen und EDV-Geräten aus, die sie nach der Ausbildung in den Betrieben nicht mehr bedienen können, weil es sie schon lange gar nicht mehr gibt“, weist Ostermann auch hier auf Investitionsbedarf hin. In dem jetzt ausgerechneten Investitionsbedarf von gut 13 Millionen Euro sind auch 2,2 Millionen Euro für die Sanierung der BBS-Sporthalle enthalten. Fassade und auch der Boden weisen gravierende Schäden auf.
Nach der „millionenschweren Überraschung“ aus den BBS Walsrode wurden auch Schulgebäude an anderen Standorten genau unter die Lupe genommen. Das Ergebnis habe die Verwaltung aufgelistet und jetzt der Kreispolitik in einer nichtöffentlichen Sitzung vorgestellt, bestätigte Ostermann WZ-Informationen. Es habe sich gezeigt, dass Gebäude, die vor mehr als zehn Jahren gebaut wurden, nicht mehr den heutigen Energievorgaben entsprächen. Da könne sich jeder ausmalen, wie groß der Handlungsbedarf ist.
Manfred Ostermann sagte, wenn es jetzt um die Aufstellung einer Prioritätenliste gehe, dürfe man die Entwicklung der Schülerzahlen nicht außen vor lassen. Die seien fast überall rückläufig (Ausnahme Berufsbildende Schulen). Da gehe es bei der Entscheidung für Investitionen auch um die Frage, ob man eventuell in Schulgebäude investiere, die schon bald leer stehen. „Wir haben der Politik reinen Wein eingeschenkt, jetzt muss die Diskussion geführt werden“, so Ostermann.
Man stehe bei dieser Diskussion nicht unter immensem Zeitdruck. „Wir müssen auch versuchen, die Bürgermeister und Gemeinderäte mitzunehmen. Da weiß anhand der vorliegenden Geburtenzahlen jeder, was seinen Standort betrifft.“ Trotzdem werde man wohl nicht jeden überzeugen. Aber letztlich sei es wie im privaten Bereich. „Erst fährt die Familie mit einem großen Caravan in Urlaub. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, fährt man doch nicht weiter mit einem großen Ding leer durch die Gegend, das viel Geld kostet“, zieht Ostermann einen Vergleich.
In der Vergangenheit wurde von Kreistagspolitikern und auch dem Landrat immer wieder auf Nachfrage betont, es gebe aktuell keinen Handlungsbedarf an einem Schulstandort. Hat sich diese Aussage nun überholt? „Ja“, sagt der Landrat, „wir kommen jetzt nicht mehr um die Diskussion herum. Es gibt ganz klar Schul-standorte, die Wackelkandidaten sind. Da geht es dann um die Suche nach intelligenten Lösungen.“
Glaubt er, dass die Politiker noch vor der Kommunalwahl 2016 offen Farbe bekennen oder das Thema totschweigen wollen? „Das wäre aus meiner Sicht schon sehr blauäugig, wenn jemand glaubt, er könne sich über den Wahltermin im November 2016 retten, um dann in die Vollen zu gehen. Dann müsste die Lage ja über zwei Jahre schön geredet werden.“ Im übrigen gebe es überall dort akuten Handlungsbedarf, wo es um Fragen der Sicherheit gehe.
Das gesamte Programm sei auf einen Zeitraum von sechs bis sieben Jahren auszulegen. Das gelte aber nicht für die Berufsbildenden Schulen in Walsrode. Dort müsse sofort gehandelt werden. „Da können wir nicht zehn Jahre warten, sondern müssen jetzt was machen. Ich werde im Haushalt 2015 die ersten Ansätze einplanen“, so Manfred Ostermann zum Zeitplan.
Zur Frage der Finanzierbarkeit meinte der Landrat, wer in dieser Größenordnung in die Schulen investieren müsse, werde keinen finanziellen Spielraum mehr haben. Es gehe ja auch noch um die Zukunft des Heidekreis-Klinikums, den Breitbandausbau und auch die Umsetzung der Inklusion. „Da erübrigt sich dann auch schnell jede Diskussion um die Senkung der Kreisumlage oder die Beteiligung des Heidekreises an den Kosten der Kindergärten“, macht Ostermann seinen Standpunkt klar.

Erste Maßnahmen: Die grundlegende Sanierung dieser Gebäudeteile auf dem BBS-Gelände in Walsrode startet programmgemäß bereits in den nächsten Wochen.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 19.07.2014

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