„Kreisschulbaulandschaft“ und Schullandschaft: Welche Standorte bleiben erhalten?

Hoher Investitionsbedarf: Nach Berechnungen der Kreisverwaltung müssen in den kommenden fünf Jahren rund zehn Millionen Euro in den BBS-Standort Walsrode investiert werden.

Die Kreisverwaltung hat dem Kreisschulausschuss in dessen jüngster Sitzung umfangreiches Zahlenmaterial präsentiert. Hintergrund war die Frage aus der Politik, wie stark der Kreishaushalt in den nächsten Jahren durch Schulbaumaßnahmen belastet wird. Antwort: Die Verwaltung plant zwischen 2015 und 2020 Investitionen an den Schul-standorten in Höhe von rund 40 Millionen Euro, zusätzliche Wünsche der Schulen eingerechnet sogar 50 Millionen Euro. Zum Vergleich: Zwischen 2002 und 2013 investierte der Landkreis 117 Millionen Euro an die Schulen im Heidekreis.

Um den Investitionsbedarf zu ermitteln, der auch mit der Zahl an nötigen Unterrichtsräumen zusammenhängt, legte die Verwaltung ihren Berechnungen die Schülerentwicklungszahlen zu Grunde. Daran lässt sich aber nicht nur ablesen, welche Summen an welchen Standorten in den nächsten Jahren zu investieren sind - es wird im Ansatz auch schon deutlich, dass manche Schulstandorte, so wie Hodenhagen und Neuenkirchen, in die Einzügigkeit, andere von der Drei- in die Zweizügigkeit fallen, „möglicherweise könnte es sogar noch trauriger aussehen“, kommentierte die Erste Kreisrätin, Helma Spöring, die Zahlen. Allerdings ging es bei der Präsentation der „Schulbaulandschaft“ nicht um die zukünftige „Schullandschaft“ - obwohl jeder der Anwesenden wusste, dass beides unmittelbar miteinander zusammenhängt.

Denn ob an einem Standort investiert werden soll, hängt auch von der politischen Grundsatzentscheidung ab, ob es diesen Standort auf lange Sicht überhaupt noch geben wird bzw. soll. Deshalb forderte Detlef Giesecke den Fachausschuss auch auf, „den politischen und pädagogischen Mut aufzubringen, genau diese Fragen zu diskutieren“ - oder wenigstens einen runden Tisch zu bilden, bei dem Kirchturmpolitik keine Rolle spielen dürfe. Die Grundsatzfrage müsse lauten: „Welche Schullandschaft wollen wir 2020 haben?“

Eine Diskussion über die „Schullandschaft“, also Schul-entwicklungsplanung im klassischen Sinne, stand aber nicht auf der Tagesordnung. Mit der Fortschreibung des Schulent-wicklungsplans, zu der auch alle diese „heiklen“ Fragen gehören, will sich die Kreispolitik im nächsten Jahr befassen. Silke Thorey-Elbers bedankte sich aber bei der Verwaltung, für das umfassende Zahlenwerk, „denn jetzt haben wir die Grundlagen, um in den Fraktionen und Gruppen zu diskutieren“.
Grundsätzlich, so Helma Spöring, gehe man im Heidekreis mit einer prognostizierten Entwicklung von minus 15 Prozent junger Menschen in den nächsten 15 Jahren aus, „wobei wir die Auswirkungen des Britenabzuges noch gar nicht berücksichtigt haben“. Die Prognosen basierten auf den Geburtenzahlen.

Welche Zahlengrundlagen geliefert wurden, wird am Schulstandort Bomlitz deutlich: Dort wird mit einem Investitionsbedarf in Höhe von 5,64 Millionen Euro gerechnet - für die Schulsportanlage (640.000 Euro), für den Klassentrakt mit 15 allgemeinen Unterrichtsräumen und Forumsbereich (Abriss und Neubau). Derzeit verfügt das Schulzentrum über 20 allgemeine Unterrichtsräume. Da Bomlitz sich aber in den nächsten Jahren dauerhaft am Rande der unteren Zweizügigkeit bewegen wird, werden nicht mehr so viele Unterrichtsräume benötigt. Die Prognosen für Hodenhagen sind noch schlechter. Dort fällt die Zahl der Fünftklässler von derzeit rund 35 auf rund 20 - was eine deutliche Einzügkeit bedeutet. In Rethem bleibt es aber aller Voraussicht bei einer stabilen Zweizügigkeit. Erheblicher Investitionsbedarf entsteht in den nächsten Jahren am BBS-Standort in Walsrode, wo in fünf Bauabschnitten insgesamt rund zehn Millionen Euro nötig sein werden.


Quelle: Walsroder Zeitung vom 04.10.2014 (rh)

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