BBS Walsrode planen Projekt im afrikanischen Äthiopien

„Sehr  ärgerlich“:  Andre Kwiatkowski bedauert, dass die Deutsche Gesellschaft  für Internationale Zusammenarbeit den Flug nach Äthiopien wegen der  Ebola-Gefahr kurzfristig abgesagt hat. „Aber das Projekt ist nicht  gestorben“, stellt der Leiter der BBS Walsrode klar. Die Impfungen waren erledigt, die Koffer gepackt, der Pass lag bereit - doch dann wurde der Flug, der Andre Kwiatkowski nach Addis Abeba in Äthiopien hätte bringen sollen, kurzfristig abgesagt. Die Ebola-Gefahr sei zu groß, hieß es. So verbrachte der Leiter der Berufsbildenden Schulen Walsrode die Herbstferien zu Hause.

Urlaub hätte Kwiatkowski im ostafrikanischen Land nicht machen wollen. Vielmehr wollte er dabei mithelfen, eine Kooperation zwischen verschiedenen Berufsbildenden Schulen in Deutschland und Einrichtungen in Afrika aufzubauen, insbesondere für technische Ausbildungsberufe.

Die Initiative für das Kontinente übergreifende Projekt geht auf die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, kurz GIZ, zurück. „Anfang des Jahres hat sie uns zusammen mit den BBS Verden, Cuxhaven, Norden und Goslar angeschrieben“, sagt Kwiatkowski. Vom grundsätzlichen Nutzen sei er relativ schnell überzeugt gewesen. Perspektivisch könnte ein Schüleraustausch stattfinden, junge Menschen - und auch Lehrer - könnten Einblick in andere Schulsysteme, Lebensumwelten, Länder und Organisationsformen gewinnen.

Äthiopien sei „spannend, weil es eines der wenigen Länder ist, das praktisch alle wertvollen Bodenschätze besitzt. Und doch ist es zu 80 Prozent fremdfinanziert und verfügt über praktisch keine eigene Wirtschaftskraft“, so Kwiatkowski. Die Ausbildung in den Berufsschulen vor Ort sei ebenso spannend, schon allein, weil sie völlig anders als in Deutschland sei: „Dort fehlt jegliche pädagogische Ausbildung.“ Jahrelange Berufsvorbereitung sei dort ebenfalls nicht an der Tagesordnung, vielmehr gebe es zahlreiche praxisorientierte Crashkurse. Kwiatkowski liefert ein Beispiel: „Vor einiger Zeit gab es in Äthiopien ein großes, EU-finanziertes Projekt - ,German Kopfsteinpflaster'. Speziell dafür sind Arbeitslose sechs Wochen lang geschult worden. Jetzt werden überall im Land Kopfsteinpflasterstraßen gebaut.“ Schulische Ausbildung sei in Äthiopien zweitrangig, vorrangig gehe es darum, zügig Arbeitskräfte für bestimmte Projekte auszubilden.

Welchen Mehrwert sieht Kwiatkowski für seine Schule? „Zum einen möchten wir helfen, zum anderen Internationalität und einen Austausch über die Grenzen Europas hinaus schaffen“, sagt der Schulleiter. Die kurzfristige Absage durch die GIZ sei „sehr ärgerlich“ gewesen, da der Projektstart dadurch herausgezögert wird. Die Rundreise durch Äthiopien mit dem Besuch von zwölf sogenannten Colleges soll nun im Frühjahr 2015 stattfinden. „Das Projekt ist nicht gestorben“, sagt Kwiatkowski, der zusammen mit Fachlehrer Jürgen Dunecke (Bereich Metall) sowie dem ehemaligen BBS-Lehrer Jörg Lobert und dessen Frau, die seit Jahren ein Zirkusprojekt in Addis Abeba unterstützen, reisen will.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 27.11.2014 (mey)

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