Bäcker-Azubis in Frankreich

Skepsis: Bäckerauszubildende Meike Schütt (re.) war überrascht von der „groben“ Technik bei der Croissants-Herstellung.Erfahrungen im Beruf sind mehr denn je gefragt -wenn sie zudem im Ausland gesammelt werden konnten, erhöht sich die Chance auf einen erfolgreichen beruflichen Werdegang. Die Ausbildungsbetriebe aus der Bäckerinnung Soltau-Fallingbostel bieten ihren Auszubildenden gemeinsam mit den Berufsbildenden Schulen (BBS) Walsrode seit vielen Jahren an, während der Ausbildungszeit für zwei Wochen die „Geheimnisse" der französischen Backkunst direkt in Frankreich kennenzulernen.

Partner des diesjährigen Projektes war das Lycee Georges Baptiste in Canteleu in der Nähe der Stadt Rouen (Normandie). Gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und unterstützt von den Organisationen EuropaDirekt aus Dresden und Cefir aus Dunkerque in Frankreich haben die Ausbildungsbetriebe und die BBS Walsrode für Auszubildende im Bäckerhandwerk einen solchen Austausch durchgeführt.

Neben den fachlichen Aspekten waren das Kennenlernen von Kultur und Sprache wichtige Lernziele. Die fehlenden Sprachkenntnisse sorgten im Vorfeld bei einigen Teilnehmern für großes Unbehagen. Spielerische Sprachanimationen in der ersten Woche, die während der praktischen Gruppenarbeiten in der Schule angewendet werden konnten, gaben allen Teilnehmern Sicherheit.

„Der Rest ging mit unseren Händen und Füßen", schmunzelte der Teilnehmer Nico Röh-ling von der Bäckerei Berndt aus Ahlden. So waren die Hemmungen für das darauffolgende einwöchige Praktikum in einer französischen Bäckerei in Rouen für ihn und die anderen Auszubildenden gering.

Zwei Eindrücke aus dem Praktikum blieben hängen: Keine französische Bäckerei ohne Baguette - und viele, sehr, sehr süße, mit viel Liebe zum Detail hergestellte Gebäcke. Das französische Nationalgebäck wurde mehrmals am Tag gebacken. Kein Wunder, denn die krosse Weizenstange ist der wichtigste Bestandteil jeder französischen Mahlzeit. Bei der Herstellung der Baguettes blickten die Bäcker-Azubis aus dem gesamten Heidekreis gespannt auf die Teigherstellung. „Die verwendeten Knetmaschinen waren schon sehr faszinierend", berichtete Rene Lehrich von der Bäckerei Vatter. Auch die langen Ruhezeiten von mehr als 20 Stunden und die sehr weichen Teige waren beeindruckend.

Verwundert zeigten sich die Teilnehmer auch über die Herstellungstechnik bei einem der landestypischen Gebäcke, dem Croissant. „Bei uns wird der Teig mit viel Vorsicht bearbeitet. In Frankreich ist es genau das Gegenteil", berichtet Janko Schwichtenberg. Ein Rundholz mit einem Durchmesser von zirca vier Zentimetern und Länge eines Blattes Papiers dient dabei als Hilfsmittel. Während die Schichten aus Teig und Butter in Deutschland vorsichtig auf die entsprechende Größe ausgerollt werden, schlagen die Franzosen den Teig mit dem Holzstab auf die Größe.

Diese Technik war auch für Theorielehrerin Irene Hemme und Bäckermeister Frank Ahlden, die den Austausch als verantwortliche Betreuer begleiteten, neu. Das Endprodukt konnte aber mit seiner Qualität total überzeugen. Viele Eindrücke von Produkten, Abwandlungen von Rezepten und Gestaltungsvarianten können in den Unterricht einfließen und die praktische Ausbildung.

Neben den Bäcker-Auszubildenden Nelli Bartel, Ralf Gellweiler (beide Wolthers Brotkate, Walsrode), Rene Lehrich (Bäckerei Vatter, Buchholz), Nico Röhling (Bäckerei Berndt, Ahlden), Maike Schütt (Bäckerei Stadtländer, Walsrode), Janko Schwichtenberg (Bäckerei Schwichtenberig, Bispingen) nahmen mit Sabine Holte (Bäckerei Meyer, Nordkampen) und Johanna Hinz (Wolters Brotkate, Walsrode) erstmals auch Auszubildende zur Fachverkäuferin an dem Austausch in Frankreich teil.

BBS-Schulleiter Andre Kwiatkowski bedankte sich bei den unterstützenden Betrieben und der Innung und kündigt für das nächste Schuljahr eine Ausweitung der Internationalisierung auf weitere Ausbildungsberufe an.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 10.04.2015

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