Paradebeispiel für Integration - Can Gribb aus Aleppo wird neuer Azubi der Firma Lipinski / „Die Chemie stimmt“

Bernd und Anja Lipinski freuen sich über Ihren neuen Azubi Can Grlbb aus Syrien, der durch den Schulleiter der BBS Walsrode, Andre Kwiatkowski und Angela Freitag von „FUCHS“ zu dem Ausbildungsplatz kam (von links).„Als ich hier angekommen bin wusste ich, dass ich unbedingt eine Ausbildung brauche, das war das Wichtigste für mich." Der 18jährige Can Grib sitzt an einem großen Holztisch in den Räumen der Firma Lipinski in Dorfmark, als er diese Worte sagt. Er hat es geschafft und gemeinsam mit dem Verbundprojekt „Fachkräfte und Chancen sichern" (FUCHS) vom Landkreis und der Volkshochschule Heidekreis sowie den Berufsbildenden Schulen (BBS) Walsrode einen geeigneten Ausbildungsplatz gefunden. In dem Betrieb Lipinski für Heizungs- und Santiäranlagen fühle er sich verstanden, so der junge Syrer.

Mit 17 Jahren flüchtet Can Grib aus Aleppo, eine Stadt im Norden Syriens, die vom Krieg größtenteils zerstört wurde. In Deutschland angekommen, trifft Grib die Entscheidung, die ihm später zum Ausbidungsplatz verhilft: Er zieht am 24. Februar in die Wohngemeinschaft 4 Linden" in Bad Fallingbostel - die sich als Betreuungseinrichtung unter anderem um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) kümmert sucht sich deutsche Freunde und lernt die deutsche Sprache durch täglichen Kontakt. „Ich habe viele deutsche Freunde, die mich verbessert haben, wenn ich etwas falsch gesagt habe", erzählt Can Grib, noch in etwas gebrochenem Deutsch, aber das solle sich schnell ändern. Einige Wörter habe er sich aufgeschrieben und in seiner Freizeit gelernt.

„Dass so ein junger Mann direkt in eine Berufsfachschulklasse kommt, wie er so gut deutsch spricht, das ist wirklich außergewöhnlich", sagt Andre Kwiatkowski, Schulleiter der BBS Walsrode. Gemeinsam mit Angela Freitag, Talentscout des Projektes FUCHS, fand Grib in dem Betrieb der Familie Lipinski zunächst einen Praktikumsplatz. „In meiner Heimat arbeitete ich in den Sommerferien viel mit Holz und Metall", so der junge Mann. Er habe wieder etwas Handwerkliches machen wollen, und der Beruf des Anlagenmechanikers sei ihm bis dato fremd gewesen. „ Etwas Neues lernen und kennenzulemen, macht mir Spaß." Auch Bernd und Anja Lipinski, Inhaber des Betriebes, sind begeistert von ihrem neuen Schützling. „Can passt einfach ins Team, alle Mitarbeiter freuen sich darauf, dass er endlich hier anfängt.“

Angela Freitag hatte als Talentscout im Vorfeld Gespräche mit dem Flüchtling geführt, um herauszufinden, welcher Beruf zu ihm passen könnte. „Bei der Firma Lipinski habe ich schnell gemerkt, dass sie Can gefallen könnte - und andersherum Can zu dem Betrieb passt", so Freitag. Für Bernd Lipinski spiele der Migrationshintergrund des Azubis keine Rolle. „Hautfarbe und Herkunft sind nicht entscheidend für uns, wir brauchen einfach gute Leute.“ Viele Kollegen seien inzwischen schon auf den Firmen-Chef zugekommen mit der Frage, wie es funktioniere, einen unbegleiteten Flüchtling einzustellen. „Das Interesse ist sehr hoch, in unserer Branche wollen viele etwas zur Integration beitragen.“ Andre Kwiatkowski dazu: „Das kann nur funktionieren, wenn Betrieb, Schule und Projekte so gut Zusammenarbeiten."

Can Grib hat mittlerweile eine Wohnung in Bad Fallingbostel, und auch seine Eltern mit den drei Geschwistern sind seit einem Monat in Deutschland. Ob der Syrer nach den dreieinhalb Jahren Ausbildung in Deutschland sesshaft werde, wisse er noch nicht. „Meine Heimat bleibt meine Heimat, und vielleicht kann ich irgendwann dort eine eigene Firma Lipinski gründen", sagt er schmunzelnd.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 07.06.2016 von  Sina Stahlsmeier

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