Ruhe- und Beratungsbereich beim Verein „Frauen helfen Frauen“ eingeweiht / Rückzugsort für Kinder

Konzipiert, organisiert und auch gebaut: Hanna Pöllmann, Stefanie Krug, Haseghe Zahory und Larissa Langreder (von links) haben den neuen Ruhe- und Beratungsbereich für Kinder für den Verein „Frauen helfen Frauen“ in die Tat umgesetzt.Wenn Kinder Zeugen oder gar Opfer von häuslicher Gewalt werden, suchen sie instinktiv Schutz. Sie „verkriechen" sich. Unter einem Tisch, hinter einem Vorhang, irgendwo dort, wo sie hoffen dürfen, unentdeckt zu bleiben. Im Domizil des Walsroder Vereins „Frauen helfen Frauen" in der Sunderstraße 23 ist jetzt ein neuer Ruhe- und Beratungsbereich entstanden - ein Ort, an dem Jungen und Mädchen nach schlimmen Erlebnissen einen geschützten Raum vorfinden. In Kooperation mit den Berufsbildenden Schulen (BBS) und mit Hilfe mehrerer Sponsoren entstand ein abgeteilter Bereich, der dabei hilft, etwas entspannen zu können und Geborgenheit zu spüren. Mit einer kleinen Feier wurde die Neuheit am Freitag eingeweiht.

Als Larissa Langreder (26), Haseghe Zahory (31), Stefanie Krug (30) und Hanna Pöllmann (19) die Aufgabe erhielten, ein Kooperationsprojekt zusammen mit einer sozialen Einrichtung zu konzipieren, da kam den vier Schülerinnen des BBS-Fachbe-reichs Sozialpädagogik sofort die Idee, mit dem Verein „Frauen helfen Frauen" und damit auch dem Frauenschutzhaus Kontakt aufzunehmen. Ein halbes Jahr lang befasste sich das Quartett mit dem Projekt „Ruhe- und Beratungsbereich" .

Das Ergebnis ist ein separater Abschnitt, mit blauer Fassade, auf der weiße Wölkchen „schweben", mit Sitzmöglichkeiten, Spielzeug, Kuscheltieren und Büchern. Ein weicher Teppich vermittelt Wohlfühlatmosphäre, der Vorhang lässt sich schließen und damit einen abgeschlossenen Rückzugsort schaffen. „ Hauptziel ist es, Entlastung von einer bedrohlichen Situation bieten zu können", beschreibt Annika Müller den Sinn der neuen Einrichtung. Die Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin ist seit Anfang des Jahres für den Verein „Frauen helfen Frauen" tätig. Ihre Hauptaufgabe ist die Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die häusliche Gewalt erfahren haben.

Die Bandbreite der kleinen und großen Katastrophen, denen Kinder und Jugendliche zuweilen ausgesetzt sind, ist groß: körperliche Angriffe, sexuelle Handlungen, wilde Streitereien und Psychoterror aller Art sind nur Beispiele. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ab der Nachwuchs direkt Gewalt erfährt oder solche Vorgänge beobachtet: Die kleinen Seelen leiden in jedem Fall.

Das Frauen- und Kinderschutzhaus, das der seit 1987 bestehende Verein betreut, verfügt in Wohnungen an geheimen Orten über acht Betten für Erwachsene und Jugendliche sowie zwei Kinderplätze. Dort finden alle Zuflucht, die in Not sind. Und die Not ist oft groß: „Jedes Kind verarbeitet solche Erlebnisse unterschiedlich", weiß Annika Müller. Unsicheres Verhalten, Schlaf- und Lernstörungen, eigene Aggressivität, schwindendes Selbstvertrauen, Angst und Schmerz - die Liste ist lang.Frauke Flöther, Vorsitzende des Vereins (links), und Mitarbeiterin Annika Müller. „Erste Maßnahme ist, sie erst einmal in Ruhe zu lassen", beschreibt die Mitarbeiterin, was nach Ankunft von Kindern nach Erfahrungen mit häuslicher Gewalt zunächst passiert. „Sie sollen ankommen, sich umschauen, frei bewegen, sich ohne Einfluss von außen überlegen, was sie machen möchten. "Es gelte, „Druck herauszunehmen", Freiraum zu bieten und nichts zu fordern. Und reden sollen sie können, wenn sie möchten, sich sicher fühlen, Geborgenheit empfinden.

Der neue Ruhe- und Beratungsbereich schafft Voraussetzungen für schnelle Hilfe. Und: Das Team arbeitet am Ausbau fester Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche . Sie können sich bei Bedarf künftig auch direkt an den Verein wenden, das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten vorausgesetzt. Üblicherweise stellen Polizei und andere Organisationen in Fällen häuslicher Gewalt den Kontakt zum Verein her. „Wir wollen zusammen Methoden und Strukturen für die Bewältigung des Alltags entwickeln ", erklärt Annika Müller.

Kontakt und Info

Der Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ ist 1987 gegründet worden, Sitz der Beratungsstelle ist in der Sunderstraße 23 (Seiteneingang Dr.-Schomerus-Straße), in Walsrode.

Offene Beratungszeiten: dienstags 10 bis 12 Uhr, donnerstags 15 bis 17 Uhr. Telefon: (05161) 73300 (auch 24-Stunden- Frauennotruf).

Informationen über das Angebot und Mitgliedschaften: www.frauen-helfen-frauen-ev.org E-Mail: . Bankverbindung (auch für Spenden): Frauen helfen Frauen, Konto 4 076 303, BLZ: 251 523 75, KSK Walsrode.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 24.10.2016 von Manfred Eickholt

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