Heilerziehungspflege – der unbekannte Beruf

Im Gespräch: Die ehemalige Absolventin der Heilerziehungspflege, Julia Dettmer (2. von links), berichtete Lehrerinnen und Schülern über ihren Berufsalltag.Profis für Inklusion und Pflege - das umschreibt den Beruf des Heilerziehungspflegers am besten. Bundesweit wurde der erste Ausbildungsgang im Jahr 1958 eingerichtet. An den Berufsbildenden Schulen (BBS) Walsrode gehört der dreijährige Ausbildungsgang „Heilerziehungspflege " (HEP) seit mehr als 14 Jahren zum festen Angebot.

Familiäre Gründe beeinflussten bei vielen Schülern die Entscheidung, einen relativ unbekannten Beruf als Heilerziehungspfleger an den BBS zu ergreifen. „Den Menschen mit Beeinträchtigung zu ermöglichen, etwas zu erleben, was wir auch erleben, positiv wie negativ", nennen Schüler als Hauptgrund für ihre Berufswahl. Andere sind über ein Freiwilliges Soziales Jahr mit dem Beruf in Berührung gekommen und wollen Vorurteile in der Gesellschaft abbauen. „Ich wollte eigentlich Erzieherin werden", berichtet Schülerin Christin, 25 Jahre, „jetzt bin ich heilfroh, dass ich die HEP-Ausbildung gewählt habe."

Interessant ist der Beruf ebenfalls für Quereinsteiger, die mit einer bereits vorhandenen Berufsausbildung eine der Aufnahmebedingungen für die Heilerziehungspflege erfüllen. „Berufs- und Lebenserfahrung kann in diesem Bereich hilfreich sein", verweist Lehrerin Corinna Bautsch auf die große Altersspanne der Klassen.

Der Begriff Heilen in der Heilerziehungspflege ist dabei nicht im medizinischen Verständnis gemeint, sondern bedeutet „heil werden" im Sinne von „ganz und glücklich werden". Heilerziehungspfleger assistieren Menschen mit Behinderung bei der Gestaltung von Alltag und Freizeit. Dazu integrieren sie pädagogische und pflegerische Kompetenzen. Sie begleiten Menschen grundsätzlich in allen Lebensphasen mit dem Ziel, dass diese ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich - und mitten in der Gesellschaft - führen können. Dabei betrachten Heilerziehungspfleger den Menschen ganzheitlich, mit all seinen Fähigkeiten und Schwierigkeiten, und wirken im Alltag unterstützend, um ihn so „normal wie möglich zu gestalten", damit Interessen selbstbestimmt erlebt werden können und die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt wird.

„Heute ist man Assistenz und nicht mehr nur ein Förderer oder Aufpasser, wie in früheren Jahren", beschreibt Katharina Loges, Bildungsgangleitung für Heilerziehungspflege an den BBS Walsrode, das pädagogisch aktualisierte Arbeitsfeld des ausgebildeten Fachpersonals, das seit kurzem die staatliche Anerkennung hat und somit dem Abschluss von Erziehern gleichgestellt ist.
Schüler erfahren in ihrer Ausbildungszeit eine große Bandbreite an Wissen in Psychologie, Pflege und Pädagogik. Als Zusatzgualifikation bieten die BBS Walsrode eine Ersthelferausbildung sowie den Erwerb des Arzneimittelscheins während der Ausbildung an. Zugeschnitten auf die Bedürfnisse, Bildung und Erwerbstätigkeit der zu unterstützenden Personen bieten sich beispielsweise Arbeitsorte mit Schwerpunkt im Bereich der Kunst und des Werkens, mit Tieren (tiergestützte Therapie), in der Hauswirtschaft oder Psychiatrie an.

Nach der Ausbildung bietet die Region sichere und vielfältige Arbeitsmöglichkeiten, denn die Behindertenhilfe unterhält zahlreiche Einrichtungen im Heidekreis, die innovativ und engagiert ausgebaut und weiterentwickelt wurden.

„Heilerziehungspfleger haben vor Ort sehr gute Aussichten auf Jobs - nicht nur aufgrund des demografischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels in den sozialen Berufen", bemerkt Schulleiter Andre Kwiatkowski.

Voraussetzungen für die Bewerbung um einen Schulplatz zum Sommer 2017 sind der Sekundarabschluss I, der erfolgreiche Besuch der Berufsfachschule Hauswirtschaft und Pflege, Schwerpunkt Persönliche Assistenz, eine erfolgreich abgeschlossene zweijährige Berufsausbildung oder eine Hochschulzugangsberechtigung mit einem Nachweis eines einschlägigen Praktikums von 400 Zeitstunden. Ansprechpartnerinnen sind die Abteilungsleiterin Schulische Berufsausbildung, Claudia Baden, oder die Bildungsgangleitung Heilerziehungspflege, Katharina Loges: per E-Mail an oder an .

Quelle: Walsroder Zeitung vom 24.04.2017

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