„Tag der politischen Parteien“ an den BbS Walsrode

Wer hat die besseren Argumente? Auf dem Podium nahmen Hendrik Jürgens (FDP), Agnes Hasenjäger (Die Linke), Lars Klingbeil (SPD), die Moderatorinnen Anna Lena Tödter und Berivan Bozkurt sowie Kathrin Rösel (CDU) und Holger Stolz (Bündnis 90/Die Grünen, v. li.) Platz.An den Berufsbildenden Schulen (BbS) in Walsrode gehört es zur guten politischen Bildung, im Vorfeld von Wahlen die Kandidaten zur Podiumsdiskussion zu laden. Und so gab es im Vorfeld der bevorstehenden Bundestagswahl gestern erneut den „Tag der politischen Parteien", bei dem Vertreter der Parteien im Unterricht, im Begegnungscafe und dann auf der Bühne im Forum Rede und Antwort standen.

Die Bundestagskandidaten Hendrik Jürgens (FDP), Agnes Hasenjäger (Die Linke), Lars Klingbeil (SPD) und Kathrin Rösel (CDU) griffen abwechselnd zum Mikrofon, für die erkrankte Ellen Gause (Bündnis 90/Die Grünen) sprang Landtagskandidat Holger Stolz ein. Arne Kuhne, stellvertretender Schulleiter, ergänzte: „Die AfD war auch eingeladen, hat aber keine Rückmeldung gegeben." Die beiden Moderatorinnen Anna Lena Tödter und Berivan Bozkurt fühlten ihren Gästen zu vier Schwerpunktthemen auf den Zahn und freuten sich auf „hitzige Diskussionen".

Zugegeben: Hitzig war zwar die Temperatur im Raum, ansonsten blieb es bei einer eher sachlichen, fairen Runde. So waren sich Kathrin Rösel und Agnes Hasenjäger beim Thema (Aus-)Bildung einig, dass jedem Menschen die gleiche Wertschätzung gebührt. „Für manche fängt der Mensch erst beim Abitur an, das finde ich verheerend", so Hasenjäger, die für ein Gesamtschulsystem plädierte, während Kathrin Rösel die Haltung der CDU vertrat und an einem mehrgliedrigen Schulsystem festhalten will. Gegen Schulgeld jeglicher Form sprachen sich die politischen Vertreter unisono aus, für Holger Stolz war das noch zu kurz gedacht: „Was bringt es, wenn Schüler zwar kostenlos eine Schule besuchen können, aber in vier Jahren sozialpädagogischer Ausbildung kein Gehalt bekommen?" Auch Lars Klingbeil sprach sich für eine Mindestausbildungsvergütung aus. Hendrik Jürgens ergänzte: „Die Durchlässigkeit im Bildungssystem muss verbessert werden."

Zahlreiche Schüler verfolgten die DiskussionEinigkeit herrschte auch bei der Digitalisierung. Die Linke sieht den Ausbau zwar kritisch (Datensicherung, Wegfall von Arbeitsplätzen in der Industrie), aber als wohl oder übel gesellschaftlich und wirtschaftlich notwendig an, die SPD fordert einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten. Und die CDU verteidigt im Zusammenhang mit der Inneren Sicherheit auch die Vorratsdatenspeicherung, was die beiden Moderatorinnen zu der Frage bewog: „Müssen wir auf persönliche Freiheit verzichten, um sicher leben zu können?" Rösels Antwort: „Das ist immer auch eine Gratwanderung zwischen ,Was brauchen wir' und ,Was wollen wir'." Eine Sicherheitsgarantie im Hinblick auf mögliche Terroranschläge könne es grundsätzlich nicht geben. Jürgens lehnte die Datenspeicherung kategorisch ab, forderte eine bessere Vernetzung der bereits bestehenden Länderdatenbanken. Auch Lars Klingbeil warnte: „Wo Daten gespeichert werden, können sie auch missbraucht werden." Anlassbezogene Speicherungen mögen hilfreich sein, aber besser wäre es, die Polizei im Cyberbereich besser auszurüsten und auszubilden.

Natürlich bewegte die Jugendlichen auch die Flüchtlingssituation und die Rolle der EU. Ziel, auch da herrschte Einigkeit, seien legale Wege nach Deutschland. „Aber wir haben noch nicht einmal ein Zuwanderungsgesetz ", kritisierten Klingbeil und Stolz. Rösel wies wiederum auf die von der CDU geplante Zusammenfassung bestehender Asyl- und Integrationsgesetze in einem Zuwanderungsgesetz hin. Jürgens forderte eine faire Verteilungsquote in Europa, Stolz notfalls auch Sanktionen, Hasenjäger und Rösel die Stärkung der Entwicklungshilfe in den Herkunftsländern, und zwar, so Hasenjäger, nicht in Form von Billig-Tomaten oder EU-Hähnchenteilen, die die Wirtschaft dort zerstörten.

Wer in den anderthalb Stunden die beste Figur gemacht hat, darüber können die Erstwähler unter den BbS-Schülern am 24. September mit ihrem Kreuzchen persönlich abstimmen. Identifikationsmöglichkeiten - und damit einen guten Grund wählen zu gehen - dürfte es auf dem BbS-Podium jedenfalls genug gegeben haben.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 31.08.2017 von Silvia Herrmann

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