18. Angebot „An wen kann ich mich wenden?“ in BbS Walsrode

„An wen kann ich mich wenden?“ Das fragten zahlreiche Schüler, die das Angebot in den BBS Walsrode nutzten. Sie informierten sich unter anderem beim Verein Sprungbrett um Mitarbeiterin Saira Hussain (rechts).„Wir sind volljährig geworden“, sagt Dorothea Schwegler lächelnd über die Informationsveranstaltung „An wen kann ich mich wenden?“, die am Freitag zum bereits 18. Mal stattfindet. 40 Selbsthilfegruppen, Einrichtungen und Initiativen aus dem gesamten Heidekreis hat die Schulsozialarbeit um Schwegler, Axel Geis und Andrea Bartsch in die Berufsbildenden Schulen (BbS) Walsrode geholt, um dort ein Forum für erste Kontakte zu bieten.

An einigen Ständen wird gespielt, andere locken mit Mitmachaktionen, wieder andere mit Süßigkeiten und kostenlosen Kugelschreibern. Doch das Angebot jedes einzelnen Standes hat einen tieferen Sinn: Information und Aufklärung über wichtige Themen, Nöte, Krisen. Helfer des Telefons Zwangsheirat sind ebenso vor Ort wie die Erziehungsberatungsstelle Soltau, die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, die Awo Trialog GmbH mit Informationen zum Sozialpsychiatrischen Dienst, zu ambulanter Alkoholentwöhnung, Suchtberatung und Suchtprävention, das „mittendrin“ (Kulturzentrum Walsrode), die Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt „Wendepunkte“ und der Verein Sprungbrett, der sich um straffällig gewordene Jugendliche kümmert. Dazu kommen neun Selbsthilfegruppen (SHG) – von den Anonymen Alkoholikern Walsrode über die Selbsthilfegruppe Schlaganfall Walsrode bis zur Frauenselbsthilfegruppe „Mut tut gut“. Erstmals vor Ort sind die „HITS-Gruppe“ (Histamin-Intoleranz/Mastzellaktivierungssyndrom), TAF (Teilhabe am Arbeitsmarkt für Flüchtlinge) und Leuchtturm, eine SHG gegen psychische Erkrankungen.

Gut angenommen: 1800 Schüler und 120 Lehrkräfte waren dazu aufgerufen, die Stände zu besuchen.Geis freut sich darüber, dass das Angebot so gut angenommen wird. Schließlich diene es der Beratung und Vernetzung – für Schüler, aber auch für die Teilnehmer untereinander.

Mehr als 1800 Schüler der BbS und aus umliegenden Förderschulen sind dazu aufgerufen, sich während der dreistündigen Aktion umzuschauen und über einzelne Angebote näher zu informieren. Der Schulsozialarbeiter hat beobachtet, dass es ganz wichtig sei, vor einer späteren Kontaktaufnahme zumindest schon einmal die Menschen, die hinter den Angeboten stehen, gesehen zu haben. Der Informationstag könne ohnehin nur ein erster Aufschlag sein, „Beratung ist keine Sache von fünf Minuten“, gibt Schwegler zu bedenken.

Gut gelungen: Schüler der Berufseinstiegsklasse gestalteten das Logo für den Informationstag.Das erlebe sie auch in der täglichen Arbeit mit Schülern, aber auch Lehrern. Die Arbeit sei in den vergangenen Jahren – bis vor drei Jahren war Schwegler „Einzelkämpferin“ in der Schulsozialarbeit an den BbS – deutlich mehr geworden. Nicht unbedingt, weil es plötzlich mehr Sorgen und Probleme gebe als früher, sondern vielmehr, weil zunehmend ein Problembewusstsein vorhanden sei. Als Schwerpunkte der Schulsozialarbeit nennt sie die Themenfelder „Lästern und Labern“ und Konflikte im Elternhaus. Geis ergänzt, dass Betroffene zunehmend auch das Gespräch aufgrund von sexueller Gewalt, Suizidgedanken und Süchten – Drogen, Computer – suchten. Spielsucht sei zwar ein gerne verwendeter Oberbegriff, doch oft lägen die Ursachen tiefer. „Es hängt oft mit Perspektivlosigkeit zusammen“, erläutert Geis.
Mit der Ausrichtung des Informationstages ist die Arbeit für die Schulsozialarbeiter noch nicht beendet. In den kommenden Tagen, das zeige die Erfahrung, würden sicher einige Schüler das Gespräch suchen und um Kontakt zu Institutionen bitten.

Bei diesem Thema könnten sie gut unterstützen, betont Schwegler. Denn das über 18 Jahre aufgebaute Netzwerk ist mittlerweile breit gefächert – und belastbar.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 27.11.2017 von Dirk Meyland

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