Sophie Leschke ist Tischlergesellin mit besonderem Gespür für Holz und Formen

Power und Geschick: Sophie Leschke (Düshorn) mit ihrem Gesellenstück, einem Nussbaum-Esstisch.Sophie Leschke steht hinter einem kunstvoll gefertigten Esstisch. Mit ihrer zierlichen Figur und einer Körpergröße von 1,66 Metern wirkt das Möbelstück neben ihr fast schon imposant. Der Tisch aus Nussbaumholz ist das Gesellenstück der 21-Jährigen, für das sie vom Prüfungsausschuss der Tischler-Innung Soltau-Fallingbostel die Note „sehr gut“ bekam, und mit dem sie sich nun auch zum Gestaltungswettbewerb „Gute Form“ in Hannover anmelden durfte sowie zum Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks in Lüneburg eingeladen wurde.
„Ich mag die Holzfarbe, deshalb habe ich Nussbaum gewählt. Die Oberfläche habe ich nur geölt, damit das Holz ,aufflammt‘“, erklärt die junge Frau. „Aufflammen“ bedeute, dass die Farbe noch kräftiger wird. Diese kurze Erklärung zeigt sehr deutlich, wie fein das Gespür der Düshornerin für die verschiedenen Holzsorten ist und dass es ihr bei der Verarbeitung auch besonders auf die Ästhetik ankommt.

„Bei uns Zuhause stehen viele alte Möbel aus Vollholz, die sehen einfach hochwertiger aus“, sagt Leschke. Mit Holzmöbeln aufzuwachsen, trug sicherlich zu ihrer Entscheidung bei, im Jahr 2015, kurz vor ihren Abiturprüfungen, ein Praktikum bei der Tischlerei Viß in Soltau zu machen. „Ich wusste, dass ich nach der Schule auf jeden Fall etwas Praktisches machen möchte“, so die Gesellin.

Ihre Familienmitglieder hätten ebenfalls größtenteils handwerkliche Berufe erlernt, und sie sei niemand, der gerne den ganzen Tag im Büro sitzt. „Ich wollte mit den Händen arbeiten.“ 
Das Praktikum gefiel ihr so gut, dass sie sich noch im selben Jahr an den Berufsbildenden Schulen Walsrode für die Berufsfachschule Holztechnik anmeldete.

Nach dem bestandenen Abitur hieß es für Sophie Leschke Formen aussägen, schleifen und das Holz bearbeiten – genau ihr Ding. „Ich baue Möbel total gerne aus Vollholz, und nach den Praxisstunden hatte ich auch etwas zum Vorzeigen, das fand ich schön.“ Das erste Schuljahr spielte sich komplett an den BbS Walsrode ab. Dort hatte die Düshornerin zwei Tage in der Woche Theorieunterricht sowie drei Praxistage, an denen es um das handwerkliche Geschick der Schüler ging. Ein Tablett, einen Flurschrank und eine Ablage fertigte Leschke in dieser Zeit und bewies dabei ihr Talent für den Beruf und ihr handwerkliches Geschick. „Ich denke, meine Stärken liegen darin, dass ich sehr ordentlich und sauber arbeite. Das Zeichnen, gerade, korrekte Linien ziehen, das lag mir schon immer.“

Durch ein Praktikum bei der Tischlerei Suck in Dorfmark in den Schulferien bekam sie schließlich einen Ausbildungsplatz. Im zweiten Lehrjahr ging es für die Berufsschülerin nur noch einen Tag in der Woche zur Schule, den Rest der Woche in die Werkstätten ihres Ausbildungsbetriebes beziehungsweise auf Baustellen. Die Schulbank drückte sie allerdings in Soltau, denn es gibt seit einigen Jahren nur wenige, die sich für die Berufsfachschule Holztechnik anmelden, sodass es sich nicht lohnen würde, das Angebot an zwei Standorten vorzuhalten.

Die Arbeit auf Baustellen sei zum Teil eine wirkliche Herausforderung gewesen. „Ich hatte von Anfang an schon sehr viel Kraft, das kommt vor allem durch mein Hobby“, so Sophie Leschke, die in ihrer Freizeit am liebsten auf dem Rücken ihres Pferdes Little Lance sitzt. „Frauen, die nicht so viel Kraft haben, haben es bestimmt schwerer in diesem Beruf.“ Große, sperrige Fenster zu tragen, sei ihr anfangs schwergefallen. „Die Körperspannung, Kraft und die richtige Technik kommen aber mit der Zeit.“ Viele Kunden hätten überrascht, aber auch sehr erfreut auf die junge Frau reagiert. Die Frage „Ist das nicht zu schwer für Sie?“, habe die Tischlerin häufig gehört. „Eigentlich fanden es alle Kunden toll, dass ich diesen Beruf ausübe.“Im dritten Lehrjahr hieß es für die 21-Jährige: das Gesellenstück planen und fertigstellen. Dass es ein Tisch werden sollte, stand für die Auszubildende schon seit Beginn ihrer Ausbildung fest. Die Holzart war erst einmal egal, denn „ich arbeite mit allen Holzarten gerne, jede hat ihre Eigenarten“. Ein so aufwändiges Möbelstück wie einen Esstisch herzustellen, war allerdings gar nicht so einfach. „Ich habe eine Bohle Nussbaum bestellt und auch den Splint verwendet. Material, das man sonst eigentlich wegschmeißen würde“, erklärt Leschke. Bei Fragen zur Planung ihres Gesellenstücks bekam sie stets Hilfe von Tibor, Oliver und Sabine Suck. „Ohne sie hätte ich es nicht geschafft. Ich musste zwar einige Abstriche bei meinen Planungen machen, aber am Ende ist mein Tisch genau so geworden, wie ich ihn mir vorgestellt habe.“Sogar einen Mechanismus für einen Öffner, mit dem die obere Platte aufgeklappt werden kann, um zwei weitere Platten anzubauen, hat sich die Düshornerin selbst ausgedacht. 

Der Esstisch wurde in dieser Woche in der Kreissparkasse Bad Fallingbostel ausgestellt, doch das soll noch nicht seine letzte Station gewesen sein. Demnächst geht es nach Lüneburg zum Leistungswettbewerb, der von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ausgeschrieben wird. Im Oktober ist Sophie Leschke dann in Hannover zur „Guten Form“. Und wo soll der Esstisch am Ende einmal stehen? „In meiner ersten eigenen Wohnung.“ Wo auch sonst?

Quelle: Walsroder Zeitung vom 08.09.2018 (STA)

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